Gott ist uns nahe, egal wie schwierig der Weg auch ist.

 

 

22. März 2020, 4. Sonntag der Passionszeit: Lätare

Spruch: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“
Johannes 12,24

 

 

Im Sterben das Leben 

„Der gewinnt auch dem Schlimmsten noch etwas Gutes ab!“ Ein Kopfschütteln, ein leises Bewundern. Manche Leute verbreiten Freude, obwohl sie wirklich nichts zu lachen haben.

„Freut euch – allem Leiden zum Trotz!“ Mitten in der Passionszeit erklingt dieser Ruf am Sonntag Lätare. Freuen – warum? Weil schon im Sterben das Leben begriffen ist. Plastisch die Bilder, die Jesus wählt: Nur das Samenkorn, das in die Erde fällt, bringt Frucht. Brot muss verzehrt werden, um stärken zu können. Er selbst ist das Brot für uns, das jetzt schon den Hunger nach Leben stillt. Auch wenn wir nur das Schlimmste sehen: Trost ist ganz nahe. Denn Gottes Zusage gilt: „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.“

Gebet: Wir leben vom Brot der Erde. Wir leben nicht vom Brot allein. Jesus Christus, du bist das Brot des Lebens. Wir danken dir. Denn dein Wort sättigt uns, das Bild deines Lebens nährt uns, dein Geist stärkt uns. Jesus Christus, wir bitten dich. In der Dunkelheit sei unser Licht. In der Traurigkeit sei unsere Freude. In der Angst sei unser Mut. In der Sorge sei unsere Hoffnung.

Gott, unser Vater, du bist der Schöpfer des Lebens.

Heiliger Geist, du bist die Kraft zum Guten. Wir danken dir. Denn du weckst uns auf, öffnest uns die Augen, weitest uns den Sinn.

Heiliger Geist, wir bitten dich für uns und alle Menschen. Lass uns Ehrfurcht vor dem Leben empfinden, schenke uns Freude.

Amen.


 

25.März 2020, Tag der Ankündigung der Geburt Jesus

Spruch: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von der Frau und unter das Gesetz getan.“ Galater 4,4

Psalm 19,2-7
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk. Ein Tag sagt's dem andern, und eine Nacht tut's kund der andern, ohne Sprache und ohne Worte; unhörbar ist ihre Stimme. Ihr Schall geht aus in alle Lande und ihr Reden bis an die Enden der Welt. Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht; sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freut  sich wie ein Held, zu laufen die Bahn. Sie geht auf an einem Ende des Himmels / und läuft um bis wieder an sein Ende, und nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen.


Evangelium: Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben.

Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Manne weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, sie, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.

Amen


 

29.März 2020, 5. Sonntag der Passionszeit: Judika

Spruch: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“ Matthäus 20,28

Gehorsam bis zum Tod

„Wer nicht hören will, muss fühlen.“ Wer sich nicht unterordnet, wer nicht gehorcht, muss oft genug die Konsequenzen tragen. Und doch: Blinder Gehorsam kann zur Katastrophe führen, ziviler Ungehorsam gar geboten sein.

Es ist ein harter Gott und ein blinder Gehorsam, den der Sonntag Judika beschreibt: Ein Gott, der Ungehorsam mit Strafen schlägt, Hiob unverdient in Unglück stürzt und Abrahams Gehorsam grausam auf die Probe stellt. Ein Gott, der Jesus abverlangt, als Opfer in den Tod zu gehen? Dunkel ist dieser Gott und fern. Doch auf der anderen Seite steht Gottes Sohn, der selbst gehorsam ist, der den Menschen dient und ihnen zum Leben verhilft. Auch hinter der dunkelsten Geschichte scheint das durch: Gott will, dass allen Menschen geholfen wird. „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“, bekennt Hiob in tiefster Not. Im Vertrauen darauf wird es möglich, sich auf Gott zu verlassen und dem Nächsten zu dienen.

Gebet: Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott.
Trost und Leben, Liebe und Segen.
Wir vertrauen dir unsere Lieben und unser Leben an.
Auf dich hoffen wir.
Zu dir retten wir uns.
Höre unser Gebet!

Amen



 

05. April 2020, 6. Sonntag der Passionszeit: Palmsonntag

Spruch: „Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ Johannes 3,14b.15

Grenzmomente

Es gibt Momente, in denen ist nichts, wie es scheint. Ein fröhliches Gesicht versteckt tiefe Trauer, wer Härte zeigt, kann auch barmherzig sein und hinter einer scheinbar so düsteren Zukunft verbirgt sich eine neue Chance.

Grenzmomente sind das, unsicher und vage. Erst im Nachhinein deute ich die Zeichen richtig. Der Palmsonntag führt in eine solche Grenzzeit hinein: Die Hände, die eben noch Palmzweige schwingen, sind schon zu Fäusten geballt. Das „Hosianna“ wird zum gellenden „Kreuzige“-Ruf, fröhliche Gesichter erstarren zu Fratzen. Und doch ist es Jesu Tod am Kreuz, der den Menschen Leben bringt. Sein Weg ins Dunkel war ein Weg ins Licht, heute bekennen wir das. Im Geschlagenen, im Verachteten war Gott ganz nah. Nur wenige erkannten das – wie die Frau, die den Todgeweihten wie einen König salbte.

Gebet: Wir singen dir Hosianna zu,
Jesus Christus, und bitten dich:
Höre auch, wie Enttäuschung den Jubel verdrängt.
Die Suchenden sehnen sich danach, anzukommen.
Die Verklagten hoffen auf Gerechtigkeit.
Höre uns und zeige du den Weg zum Leben.

 Höre uns und alle, die in dieser Woche aus deinem Leiden Hoffnung schöpfen.
Höre uns. Segne uns diese heilige Woche.
Komm und erbarme dich.

Amen


 

09. April 2020, Gründonnerstag

Spruch: „Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige barmherzige Herr.“ Psalm 111,4

Mahlgemeinschaft

Wann habe ich ihn zum letzten Mal gesehen? Welche Worte wurden gesprochen und was wurde verziehen? Wie wichtig werden diese Fragen, wenn ein geliebter Mensch stirbt.

Wohl denen, die Abschied nehmen durften oder gar ein letztes Wort mitbekamen. Sie behalten es ein Leben lang. Vom letzten Vermächtnis Jesu berichtet der Gründonnerstag. Jesus nimmt sich viel Zeit zum Verabschieden, macht den Jüngern Mut, wäscht ihnen die Füße und gibt ihnen Worte und Zeichen für die Zeit ohne ihn. Und das Vermächtnis lebt. Noch heute bekennen Christen: Im Abendmahl ist Jesus ganz nah, auch nach 2000 Jahren noch. Er gibt uns an seinem neuen Leben Anteil. Ihn ehren wir, wenn wir einträchtig und ohne Trennungen das Brot brechen und den Wein teilen.

Gebet:  Gott, wir singen und beten.
Wir essen Dein Brot und trinken aus Deinem Kelch.
Brot des Lebens und Kelch des Heils.
Dein Geheimnis, Dein Geschenk.
Dein Abschied und Dein Wiederkommen.
Wir lassen uns von Dir versöhnen.
Heute und immer.

Amen.


 

10. April 2020, Tag der Kreuzigung des Herrn

Spruch: „Also hat Gott die geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Johannes 3,16

Gott leidet mit uns

Wer kann ermessen, wie tief menschliches Leid geht? Hilflos und voller Furcht stehen wir davor. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Wer so schreit, fühlt sich ganz allein. Doch Gott weicht dem tiefsten menschlichen Leid nicht aus, davon berichtet der Karfreitag.

Er begegnet ihm auf unbegreifliche Art: In Jesus begibt Gott sich selbst kompromisslos in die Nacht hinein. Er wird von Freunden verraten, verspottet, gefoltert und schließlich am Kreuz hingerichtet. Die ersten Christen bekannten: Jesus ist für unsere Sünden gestorben. Nichts, was wir tun, kann so schlimm sein, dass wir verloren gehen. Aber heute haben immer mehr Menschen Schwierigkeiten damit: Braucht Gott ein Opfer zur Sühne? Er braucht es nicht, aber er ist den Menschen im Leiden ganz nah. Keine Schranken soll es geben zwischen ihm und uns. Zeichen dafür ist das Kreuz, das Himmel und Erde verbindet.

Gebet:  Dein Kreuz, Jesus Christus, ist aufgerichtet und wir beten
für Gottes Volk, für unsere jüdischen Geschwister zu Beginn des Passahfestes, für die Gemeinden im Heiligen Land.
Wir beten für alle Gemeinden, die in diesen Tagen in Furcht zusammenkommen.
Wir beten für unsere Gemeinde und alle, die zu uns gehören.
Du stirbst am Kreuz, Jesus Christus, und wir leben.
Erbarme dich.

Amen


11. April 2020, Karsamstag

Psalm 88 (ein Auszug)

Herr, Gott, mein Heiland, ich schreie Tag und Nacht vor dir.

Lass mein Gebet vor dich kommen, neige deine Ohren zu meinem Schreien. Denn meine Seele ist übervoll an Leiden, und mein Leben ist nahe dem Totenreich. Ich bin denen gleich geachtet, die in die Grube fahren, ich bin wie ein Mann, der keine Kraft mehr hat. Ich liege unter den Toten verlassen, wie die Erschlagenen, die im Grabe liegen, derer du nicht mehr gedenkst und die von deiner Hand geschieden sind. Du hast mich hinunter in die Grube gelegt,

in die Finsternis und in die Tiefe.

Dumpfe Trauer bleibt.

Wer kann ermessen, wie tief menschliches Leid geht? Hilflos und voller Furcht stehen wir davor. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Wer so schreit, fühlt sich ganz allein. Doch Gott weicht dem tiefsten menschlichen Leid nicht aus, davon berichtet der Karfreitag.

Er begegnet ihm auf unbegreifliche Art: In Jesus begibt Gott sich selbst kompromisslos in die Nacht hinein. Er wird von Freunden verraten, verspottet, gefoltert und schließlich am Kreuz hingerichtet. Die ersten Christen bekannten: Jesus ist für unsere Sünden gestorben. Nichts, was wir tun, kann so schlimm sein, dass wir verloren gehen. Aber heute haben immer mehr Menschen Schwierigkeiten damit: Braucht Gott ein Opfer zur Sühne? Er braucht es nicht, aber er ist den Menschen im Leiden ganz nah. Keine Schranken soll es geben zwischen ihm und uns. Zeichen dafür ist das Kreuz, das Himmel und Erde verbindet.

Gebet: Wo bist du Gott? Bei denen, die am Glauben festhalten?
Bleib bei ihnen. Strecke deine Hände aus. Nimm sie mit in dein neues Leben. In die Stille dieses Tages hinein rufen wir. Erbarme dich. Heute. Morgen und alle Tage.  

Amen.