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Lebensbericht:

Herr Joachim Krieger von Gideon Bund besuchte unsere Gemeinde und erzählte von seiner Arbeit und von ganz persönlichen Erfahrungen. Der Gideon Bund hat es sich zur Aufgabe gemacht die Bibel auf der ganzen Welt zu verteilen. Hier eine sehr persönliche Geschichte aus seinem Leben:

"Meine liebe, viel zu früh heimgegangene erste Frau Anita litt an ALS (Amyothrophe Lateralsklerose), eine absolut tödliche Krankheit, sehr schnell fortschreitend, mit wenigen Monaten verbleibender Lebenserwartung. Bei einer Bibelauslegung an alle Krankenbetten der Uni Klinik Marburg war sie bereits so gut wie total gelähmt. Während wir Männer Halter für Neue Testamente an den Lichtleisten über jedem Krankenbett anbringen durften, saß Anita im Elektrorollstuhl. Noch konnte sie den Kopf bewegen (Ja/Nein durch nicken/schütteln) und mit 3 Fingern konnte sie noch den Joystick der Steuerung ihres Elektrorollstuhls bedienen. Auf ihren Knien hatte sie einen Korb mit etwa 50 weißen, kleinen Taschenbibeln. Ganz allein fuhr sie damit zu den Ärztezimmern und Schwesternstationen. Bei den vielen Etagen (1.200 Betten) musste sie immer wieder Aufzüge benutzen. Nur durch Blickkontakt hat sie irgendjemand bedeutet, ihr doch den Knopf des Aufzugs zu drücken, fuhr dann vorsichtig hinein und bedeutete wieder jemanden, die entsprechende Etage zu drücken. Sie war nicht mehr in der Lage, Bibeln auszugeben oder anzubieten. Ihre Arme waren total bewegungsunfähig. Sie konnte auch niemand auffordern, sich eine Bibel selbst aus dem Korb zu nehmen. Sprechen konnte sie nicht mehr. Nur durch Augenkontakt hat sie den Ärzten, Krankenschwestern, Pflegern, dem technischen personal oder Reinigungskräften bedeutet, sich doch selbst zu bedienen. Mehrmals an diesem Nachmittag kam sie zurück, den Korb wieder neu zu füllen – und dann wieder los, und wieder, und wieder. Abends gegen 19:30 mussten wir die Nachtruherespektieren und unsere Aktion beenden. Wir standen in einem Nebenflur noch zusammen und haben für alle Empfänger gebetet. Einer von uns fragte Anita: „Sicher hast du auch Ablehnungen gehabt.?“ So eine große Uni Klinik hat Ärzte aus Pakistan, Indien, Krankenschwestern aus Thailand, die Putzfrau aus der Türkei und und. Mit einem strahlenden Lächeln hat sie die Kopf geschüttelt :’nein’. Wir konnten es nicht glauben, ich fragte noch einmal: „Keine einzige Ablehnung???“ wieder strahlen und kopfschütteln. Wir anderen hätten sicher hier und da ein „nein danke“ gehört. Aber wer lehnt einer Rollstuhlfahrerin schon etwas ab. „Meine Kraft ist in den Schwachen MÄCHTIG“

Seit Oktober 2004 ist Anita bei ihrem Herrn. Vorher hatte sie verfügt: keine Blumen auf ihrer Beerdigung. Stattdessen eine Spende für die Verbreitung von Gideon – Bibeln in der Welt. 2.500 Bibeln konnten gekauft werden. Für Menschen in der Dritten Welt, die sich nie eine leisten können. Oder unseren Herrn überhaupt nicht kennen. Seid getreu bis in den Tod, dann will ich euch die Krone des Lebens geben."